Worum geht es?

Seit der Planung unseres ersten Symposiums Performances von [Weiblichkeit] in den darstellenden Künsten im Jahr 2015 hat sich viel getan! Im   Januar 2016 ging es noch darum, überhaupt ein Bewusstsein für die problematischen Aspekte und Einschränkungen für Frauen im Theaterfeld und auch bereits in der Ausbildung zu schaffen. Wir haben etwa gefragt, wo der Raum für alternative Darstellungen und Spielweisen mit und von Geschlechterrollen zu finden ist (macht etwa tatsächlich die perfekte Beherrschung von High Heels eine junge Schauspielerin zur „richtigen Frau“?)? Wir haben auch darüber debattiert, wer Schuld ist an nur so wenigen herausfordernden Rollen für Frauen: die Verlage mit ihren frauenlosen Stücken, die Theater mit ihren zu klassischen Spielplänen, das Publikum mit seinen konservativen Sehgewohnheiten oder auch die Hochschulen mit ihrem ständigen Blick auf „den Markt“, der ihre Absolvent*innen ja wollen soll…? Es wurde einander mitunter hart kritisiert (etwa, als eine Schauspielerin einem vermeintlich normativen Schönheitsideal entsprach), aber auch gelacht (sogar Frauen – mit oder ohne Rehaugen – können komisch und subversiv sein) und alle wünschten sich, dass die hier begonnenen Gespräche und Auseinandersetzungen weitergehen würden…

In den letzten Jahren nun ist die mediale Aufmerksamkeit – nicht zuletzt Dank der weltweit beachteten #-Initiative „metoo“ – für das toxische Macht- Ungleichgewicht zwischen (weißen) Männern und abhängigen, erpressbaren oder unsichtbaren Frauen besonders in der Branche des Films und der Darstellenden Künste tatsächlich deutlich gestiegen. Wichtige Initiativen wie Pro Quote Bühne oder das grundsätzlich für bessere Arbeitsbedingungen am Theater kämpfende ensemble-netzwerk haben ihre Arbeit begonnen und erfolgreich fortgesetzt und es gibt einige positive Entwicklungen in Richtung Geschlechtergerechtigkeit im Theater (und im Film) zu verzeichnen… Genau jetzt aber ist es wichtig, in der Reflektion und in den Forderungen nicht nachzulassen, denn Strukturen und Ansichten ändern sich nur durch langfristiges Engagement aller Beteiligten aller Geschlechter (also auch der Männer)!

Die dritte Ausgabe des Symposiums beschäftigt sich erneut mit der Herausforderung, als Frau*[1] innerhalb des Feldes der Darstellenden Künste (mit Überschneidungen zum Film) zu arbeiten. Nach zwei sehr erfolgreichen Veranstaltungen jeweils zu Beginn der Jahre 2016 und 2018 findet das Symposium erneut in den Räumen der UdK Berlin in der Lietzenburger Str. 45 am letzten Januarwochenende, dem 25. und 26. Januar 2020 statt.

Eingeladen, den eigenen künstlerischen Umgang mit normierten Bildern und Konzepten von „[Weiblichkeit]“ zu reflektieren (was ist das überhaupt? wie könnte sie verstanden und verwandelt werden?), sind alle Interessierten, besonders natürlich die Studierenden wie auch die Lehrenden der veranstaltenden Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Wir fragen: Warum werden immer noch stereotype Frauenbilder und Rollenvorstellungen in Szene gesetzt und wie nehmen auch angehende Theatermacher*innen aller Sparten und Kolleg*innen aus allen Feldern – sei es im Kostümbild oder Schauspiel, in der Regie, Öffentlichkeitsarbeit oder Jobvermittlung? – daran teil? Die Ausbildungsstätten für Darstellende Künstler*innen sind wichtige Orte der Diskussion um Spielräume für Frauen*, aber auch Männer* im Feld des Theaters – ob auf oder hinter der Bühne und in allen etablierten oder selbst geschaffenen Arbeitsstrukturen – und das bisher Selbstverständliche sollte auch hier beständig hinterfragt werden. 

Zum Programm

Am Samstag beleuchten Vorträge, Gespräche und Lecture Performances, auf welche Weise Sexismus und geschlechtsspezifische Normierungen im zeitgenössischen deutschen Theater immer noch wirken. Dabei geht es auch darum zu erkunden, welche vielfältigen anderen, die bestehenden Klischees verwandelnden Handlungsmöglichkeiten Frauen* (und Männer*) innerhalb von Inszenierungsprozessen und in deren Mitgestaltung bzw. bezüglich deren öffentlicher Wahrnehmung haben.

Im ersten Block sind prägende Initiativen für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Theater eingeladen, ihre Sicht auf die aktuelle Lage sowie ihre Vorschläge für verbesserte Strukturen vorzustellen;  mit dabei sind Vertreterinnen von Burning Issues, Pro Quote Bühne sowie des ensemble-netzwerks. Zudem diskutieren Anna Bergmann (Schauspieldirektorin am Stadttheater Karlsruhe) und Joy Kristin Kalu (Dramaturgin an den Sophiensaelen), welche Freiräume, Strategien und neuen Modelle im Stadttheater und in der freien Szene erprobt und durchgesetzt werden konnten und was noch zu tun ist.

Im zweiten Block am Nachmittag kommen junge Theatermacherinnen zu Wort, die als Schauspielerin, Regisseurin oder Choreographin ihren persönlichen künstlerischen Umgang mit Geschlechterdifferenzen beschreiben und von selbst erkämpften Spielräumen berichten.

Alle Beiträge laden ein zu Fragen und zur Mitsprache von Seiten des Publikums, zum Abschluss des Tages gibt es dann die Möglichkeit, in einen vertieften Austausch zu kommen und Kontakte zu knüpfen: bei einem Apéro mit Wein und Käse sowie einem Quiz, bei dem alle spielerisch Wissen und Fun Facts zum Thema ‚Feminismus und Theater’ erfragen und erfahren können.

Das Programm auf einen Blick hier

Am Sonntag werden drei Workshops angeboten, die den Teilnehmer*innen praktische Instrumente und inspirierende, kritische Perspektiven für ein selbstbestimmtes Arbeiten (vor allem) als Frau* in künstlerischen bzw. Theater-Kontexten vorstellen: zum selbstbewussten Verhandeln, zum kollektiven Arbeiten und – für die Analytisch Interessierten – zum Betrachten von Filmen „durch die feministische Brille“.
Mehr Infos zu allen Workshops hier

Um Anmeldung ab dem 20.12.2019 bis zum 17.01.2020 wird gebeten!

Begrenzte Plätze, bitte per E-Mail mit Angabe des Namens, des Workshop-Wunsches und einem Hinweis, ob Student*in, Mitarbeiter*in bzw. Lehrende*r der UdK oder HfS Berlin oder ob extern an paula.meuthen@googlemail.com

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Informationen zur Teilnahme

Die Teilnahme am Symposium und an den Workshops ist kostenlos. Nur für die Workshops ist wegen der begrenzten Platzkapazitäten eine Anmeldung notwendig.

Verpflegung: In den Pausen gibt es für alle Kaffee, Wasser, Obst und Kekse, mittags vegetarische und vegane Suppe und abends Wein und Brot, dafür bitten wir um Spenden (mittags und abends je ca. 4 Euro, tagsüber ca. 1 Euro).

Eigene Kinder können am Samstag mitgebracht werden. Es gibt auch einen freien Raum mit einigen Spiel- und Malsachen sowie einem Fernseher und direkt vor dem Haus einen Spielplatz. Wir können aber keine professionelle Betreuung und Aufsicht bieten und bitten die Teilnehmer*innen, sich mit der Aufsicht abzuwechseln; wir unterstützen nach Möglichkeit durch Freiwillige.

Die Veranstaltung ist barrierefrei.

[1] Das Sternchen bedeutet jeweils, dass auch Trans-Frauen und -Männer jeweils mit einbezogen sind, sowie Menschen, die sich weder als nur „weiblich“ oder als nur „männlich“ definieren, das heißt außerhalb von binären Gender-Kategorien.

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Weitere Links zum Thema:

#MeToo, zwei Jahre danach – Aktuelle Beiträge auf arte-tv.com:

https://www.arte.tv/de/videos/RC-017316/metoo-zwei-jahre-danach/

„Staged sex: how an intimacy coordinator works with actors on sex scenes“, Videobeitrag vom 16.04.2019:

https://www.theguardian.com/stage/video/2019/apr/16/staged-sex-how-an-intimacy-coordinator-works-with-actors-on-sex-scenes-video

 „Burning Issues – Die Konferenz zur Gender(un)gleichheit in Berlin

Muss der Kanon auf den Müll?“ von Sophie Diesselhorst, Ute Frings-Merck, Lilly Merck und Elena Philipp. 20. Mai 2019

https://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=16798:burning-issues-die-konferenz-zur-gender-un-gleichheit-in-berlin&catid=101&Itemid=84

„Emilia Clarke and Gemma Arterton expose Hollywood stereotypes in Leading Lady Parts“, Beitrag mit Video vom 11.08.2018.

https://metro.co.uk/2018/08/11/emilia-clarke-gemma-arterton-expose-hollywood-stereotypes-in-leading-lady-parts-7827976/